Der kommende Wandel im globalen Bewusstsein

1974 schrieb der amerikanische Professor und Psychologe Dr. Clare W. Graves einen Artikel für das Magazin The Futurist mit dem Titel „Human Nature Prepares for a Momentous Leap“ (Die menschliche Natur bereitet sich auf einen enormen Sprung vor). Graves beschreibt darin einen bevorstehenden Wandel im menschlichen Bewusstsein, der in seinen Worten

„… der schwierigste, aber gleichzeitig der aufregendste Übergang ist, den die Menschheit jemals erlebt hat. Es ist nicht nur der Übergang zu einer neuen Ebene der Existenz, sondern der Beginn einer neuen „Bewegung“ in der Symphonie der Menschheitsgeschichte.“

Seine Behauptung entsprang nicht einfach nur einer Spekulation, sondern basierte auf siebenjähriger Feldforschung und fast 20 Jahren Datenanalyse. Unglücklicherweise starb er vor der Veröffentlichung seiner Untersuchungsergebnisse und deswegen blieb sein Werk größtenteils unbekannt. Graves Theorie war die Grundlage für das Buch „Spiral Dynamics“ (Beck & Cowan, 1996) und die meisten seiner ursprünglichen Forschungsarbeiten wurden später unter dem Titel „The Never Ending Quest“ (Cowan & Todorovic, 2005) veröffentlicht.

Dr. Graves Erkenntnisse liefern eine glaubwürdige Abbildung dessen, was der Philosoph und psychedelische Pionier Terence McKenna das Wiedererwachen des Archaischen genannt hat. Nach Graves ist die Menschheit tatsächlich gerade dabei, einen enormen Bewusstseins-Sprung zu unternehmen, der in Teilen durch das Wiedererscheinen archaischer Motive charakterisiert ist. Eines dieser Motive ist Tribalismus, nicht jedoch ein Rückschritt in den Ur-Tribalismus, sondern die Entstehung eines globalen Stammes.

Eine der besonderen Begabungen, die Dr. Graves in das Feld der Entwicklungspsychologie einbrachte, war seine Fähigkeit, Muster erkennen zu können. Er entdeckte, dass der gleiche Wandlungsprozess und dieselben Entwicklungsstufen in der Evolution unserer Spezies vom Jäger-Sammler bis zum heutigen Tag, in der Entwicklung eines Individuums vom Kind zum Erwachsenen und auch in der Entwicklung sozialer Gruppen zu sehen sind. Wie ein Fraktal zeigt sich das gleiche Muster in jeder Größenordnung.

Die Stufen der Entwicklung

Die ursprünglichen Daten, die Graves im Laufe der 1950er Jahre gesammelt hat, deuten auf die Existenz von sieben Stufen der menschlichen Entwicklung hin. Einige seiner Versuchspersonen, die Verhaltensformen der 7. Stufe gezeigt hatten, entwickelten im Laufe seiner Studien überraschenderweise noch komplexere Formen des Seins, eine 8. Stufe. Zu diesem Zeitpunkt enthielt keine andere Theorie mehr als sieben Stufen und es herrschte weitestgehend Konsens darüber, dass Stufe 7 die Spitze psychologischer Reife darstellte. Graves zog daraus letztendlich den Schluss, dass die menschliche Entwicklung ein Prozess der Adaption mit offenem Ende sei und damit das Erscheinen weiterer Stufen in der Zukunft sehr wahrscheinlich. Eine Darstellung der achten Stufen und ihren assoziierten Motiven zeigt Grafik 1.

Stages of human evolution

Grafik 1

Ausgehend von Einfachheit (Simplicity) hin zur Komplexität (complexity) über 8 Stufen mit 1. Überleben (Survival), 2. Stammesbewusstsein (Tribal), 3. Egozentrik (Egocentric), 4. authoritären Denkmustern (Authoritarian), 5. Unternehmerischem Denken (Enterprising), 6. Humanistischem Denken (Humanistic), 7. integrativem Denken (Integrative) und 8. Neo-Tribalismus (Neo-Tribal). Der bedeutsame Bewusstseins-Sprung (The Leap) erfolgt nach Stufe 6. Die Stufen mit ungeraden Zahlen verfolgen dabei individuelle Motive, die Stufen der geraden Zahlen gemeinschaftliche Ziele.

Wenn man die Karte der Stufen von der Perspektive einer Einzelperson aus betrachtet, beginnen wir das Leben mit der Stufe des Überlebens, in der wir als Baby all unsere Energie und Aufmerksamkeit auf das richten, was wir zum Überleben benötigen. Während wir wachsen, bewegen wir uns zur Stammes-Stufe, in der wir unsere Familie und erweiterte familiäre Beziehungen, sowie die damit verbundenen Bräuche und Autoritätsfiguren entdecken. Die dritte, egozentrische Stufe führt uns in die Entdeckung unserer persönlichen Kraft und Identität, während der wir (als rebellierende Teenager) versuchen, von unserer Stammes-Gemeinschaft loszubrechen.

Jede neue Stufe ist dabei über die vorheriger gestülpt (in der Grafik als Form mit einer neuen Farbe dargestellt). Jede Stufe fügt unserem Repertoire eine neue Strategie der Bewältigung hinzu; wir können uns aber, wenn angebracht, hinunterbewegen, so wie die Bedingungen des Lebens erfordern, und aus vorherigen Stadien heraus zu operieren (und das tun wir auch). Ein Beispiel dafür ist unsere Fähigkeit, ganz natürlich von relativ komplexen Verhaltensformen am Arbeitsplatz zu in einer familiären Situation eher angebrachtem Verhalten  umzuschalten.

Mit jeder neuen Stufe tritt auch eine neue Weltsicht und mit ihr verbundene Interessen, Motivationen und Vorlieben hervor. Der Übergang von einem Stadium zum nächsten stellt eine bedeutende und transformierende Veränderung dar, die (zum Beispiel) manchmal zum Wechsel des Berufs oder sogar der Lebenseinstellung führt.

Fortschritt durch die Stufen ist keine gegebene Tatsache. Er hängt von unseren Lebensbedingungen ab, deren Teil unsere persönliche Geschichte ist (unsere Konditionierung) und die aktuellen Herausforderungen, die uns im Leben konfrontieren. Nur wenn wir durch neue, komplexere Probleme herausgefordert werden, und wenn unsere Fähigkeiten der gegenwärtigen Stufe der Aufgabenstellung nicht gewachsen sind, erwächst die Möglichkeit der Weiterentwicklung durch unseren inneren Anpassungsprozess.

Ein einfaches Beispiel: der Umzug aus einem ruhigen Landleben hin zu einem geschäftigen Job in einem Unternehmen erzeugt eine Erhöhung der Komplexität. Diese Art der Veränderung kann unseren Adaptionsprozess aktivieren, der auf einer tiefen, inneren Ebene abläuft, jenseits des bewussten Verstandes. Einige Menschen mögen sich jedoch aufgrund verschiedener Lebensbedingungen nicht anpassen können. Graves schlussfolgerte, dass wir als Resultat bestimmter Konditionierungen vorübergehend stecken bleiben oder dem Wandlungsprozess gegenüber permanent abgeschlossen sein können.

Viele Studien zeigen, dass es nicht möglich ist, eine Entwicklungsstufe zu überspringen; sie müssen nacheinander erfahren werden. Jede neue Stufe baut auf der vorhergehenden auf und während wir uns von einer Stufe zur nächsten bewegen gibt es eine natürlich Tendenz dazu, die Werte des vorherigen Stadiums für unsere neuen Werte zu verwerfen.

Innerhalb der Sequenz der Stadien, wie in Grafik 1 angedeutet, gibt es einen wechselnden Fokus zwischen Themen der Individualität (Selbstausdruck) und Gemeinschaft (Selbstopfer). Die Stufen mit den ungeraden Zahlen legen den Schwerpunkt auf Ich/Mir/Mein und diejenigen mit den geraden Zahlen auf Wir/Uns/Unser. Diese Dynamik ist wie ein Pendel, das vor uns zurück schwingt, während wir uns vorwärts bewegen. Letztendlich ist es ein Beispiel für die ausgleichende Dynamik von Gegensätzen, Yin und Yang, die wir in allen natürlichen Systemen finden.

Wandel zwischen Stufen

Die Erfahrung, von einer Stufe zur nächsten zu wachsen (siehe Grafik 2), nimmt uns weg von der Stabilität auf der alten Stufe  auf eine eine Reise hin zu Stress und Chaos, wo die alte Struktur auseinander bricht und weiter zur Neuorganisation auf einer neuen und komplexeren Stufe. Zwei Richtungen werden in der Grafik gezeigt, die als evolutionärer und revolutionärer Wandel markiert sind. Revolutionärer Wandel beinhaltet einen Durchbruch und Quantensprung, während evolutionärer Wandel eine viel frühere Antwort mit sich bringt und in der Konsequenz eine kleinere Korrektur. Wandel zwischen Stadien folgen typischerweise dem Pfad des revolutionären Wandels.

Stages of change
Grafik 2. Der Wandlungsprozess

Aus dem Zustand der Stabilität (Stable) geht es über Stress entweder durch evolutionären Wandel oder durch Chaos und revolutionären Wandel (Revolutionary change) über Erneuerung (Renewal) zu neuer Stabilität.

 

Die grüne Linie in Grafik 2 repräsentiert den Hintergrund unserer Lebensbedingungen, mit dem Trend nach oben in Richtung größerer Komplexität. Wenn wir einen Punkt der Stabilität erreicht haben und dort bleiben, fallen wir irgendwann automatisch aus der Synchronisierung mit unseren Lebensbedingungen, weil sie sich konstant ändern. Stress und Chaos resultieren aus der Lücke zwischen dem, was unsere Lebensbedingungen von uns fordern und unserer tatsächlichen Fähigkeit, damit umzugehen. Je größer die Lücke, desto größer ist der Impuls zum Wandel. Während der Chaos-Phase brechen unsere alten Strukturen in Vorbereitung für die Wiederzusammensetzung in etwas Neuem in sich zusammen.

Genau wie das Muster der Stufenentwicklung ist dieses Veränderungsmuster in allen Größendimensionen vom Individuum bis zur Evolution unsere Spezies ersichtlich. Sie werden bemerken, wie es dem Auf- und Untergehen der Sonne ähnelt. Viele alte Kulturen haben diese Analogie realisiert und die Sonne als spirituelles Symbol für die menschliche Reise benutzt. Auch den Kreislauf von Tod und Reinkarnation kann diese Analogie repräsentieren.

Dieses Veränderungsmuster ist die archetypische menschliche Erfahrung. Der Philosoph Jospeh Campbell nannte es den Weg des Helden (Hero’s Journey). Der Held/die Heldin verlässt sein/ihr Haus (Stabilität) als Resultat eines Rufs, der den gewohnten Lebensstil durchbricht, verpflichtet sich, dem Weg zu folgen und trifft auf Prüfungen und Testsituationen (Stress). An einem bestimmten Punkt gibt es eine Hauptprüfung (Chaos) und der Held/die Heldin durchläuft symbolisch Tod und Wiedergeburt (die Überwindung des Hindernisses). Unser Held/unsere Heldin kommt mit einer Art Geschenk (Erneuerung) aus der Prüfung zurück und beginnt den Weg nach Hause, wo er oder sie für das Erreichte hoch gelobt werden (neue Stabilität).

Veränderte Stadien und Wandel

Als ein historisch-kulturelles Phänomen … gab es immer eine große Welle des Drogengebrauchs, immer dann, wenn der Mensch eine Übergangsphase durchlief.“

Dr. Clare W. Graves, 1971

Die absichtliche Suche nach veränderten Bewusstseinszuständen kann zurückverfolgt werden bis zu frühesten geschichtlichen Aufzeichnungen. Die meisten Kulturen, wenn nicht alle, verfügen über Hinweise darauf, heilige Pflanzen, Meditation, Klang oder körperlichen Stress als ein Mittel, diese Bewusstseinszustände zu erreichen, genutzt zu haben. Die jeweiligen Gründe sind vielfältig und variieren, schließen jedoch Initiation, Heilung, Prophezeiung und Bewusstseinserweiterung mit ein. Diese Praxis war meistens Teil einer spirituellen Tradition.

Ken Wilber erklärt in Integral Psychology (Wilber, 2000), dass jeder, unabhängig von welcher Entwicklungsstufe aus er/sie agiert, täglichen Zugang zu den normalen Zuständen des Bewusstseins hat, nämlich dem Wachbewusstsein (grob), dem Traumbewusstsein (fein) und dem Tiefschlaf (kausal). In einem veränderten Zustand kann ein Mensch kurzfristig die Bereiche des Feinen und Kausalen während des groben Wachbewusstseins erreichen.

Veränderte Bewusstseinszustände werden oft als übernatürlich oder mystisch beschrieben und können Gefühle und Einsichten, die typisch für höhere Entwicklungsstufen (wie von Graves dargelegt) sind, mit sich bringen. Wilber erkärt, dass persönliches Wachstum in diese höheren Stadien hinein teilweise die Umwandlung der vorübergehenden Erfahrungen von veränderten Bewusstseinszuständen in permanente Realisationen beinhaltet.

Regelmäßige, bedachtsame Anwendung in einem angemessenen Setting kann unsere persönliche Entwicklung durch die in veränderten Bewusstseinszuständen gewonnenen Einsichten beschleunigen. Es ist kein Wunder, dass wir auf natürliche Art und Weise von veränderten Zuständen angezogen werden, vor allem in Zeiten der Veränderung.

Leben wir in einer speziellen Zeit?

Einige Quellen deuten darauf hin, dass 2012 eine Zeit des bedeutsamen Wandels markiert. Dem Maya-Kalender nach läutet es das Ende des „Long Count“ von 5.126 Jahren ein und auch das Ende des Zyklus‘ der neun Unterwelten, der mit der Erschaffung unseres Universums begann (Calleman, 2004). In seiner Timewave Zero-Theorie (T. & D. McKenna, 1975) schlägt Terence Mckenna vor, dass 2012 eine Zeit der „maximierten Neuheit“ sein wird, wobei Neuheit hier „eine neue oder ungewöhnliche Sache oder Erfahrung“ bedeutet. Während diese Ideen offen für Interpretationen sind, haben sie interessanterweise einige Verbindungen mit den Forschungsergebnissen von Dr. Grave.

Nach Graves findet der bedeutsamste Wandel, der jemals im menschlichen Bewusstsein beobachtet wurde, im Übergang zwischen Stufe 6 und 7 statt und durch Ausdehnung auf eine kritische Masse an Menschen, die diesen Übergang erreichen, wird unsere Welt außerordentliche Veränderungen erfahren. Graves hat jedoch nicht versucht, die Zukunft vorherzusagen, sondern hat lediglich die menschliche Natur beobachtet. Einmal schrieb er:

Ich stand nicht auf dem Gipfel des Sinai-Berges und habe das Wort von Jehovah erhalten, um diese Theorie zu entwickeln. Dieser Standpunkt hat sich in einer langen Serie von Studien entwickelt.“

Es gibt jedoch eine Verbindung zwischen den Motiven der menschlichen Stadien nach Graves und denen der Unterwelten der Mayas. Es gibt auch ein ähnliches Muster der Zeitzyklen in sowohl dem historischen Erscheinen der Unterwelten und dem Auftreten der Grave’schen Stadien, wobei jede neue Unterwelt und jedes Stadium kürzer dauert als die vorhergehende Phase.

Während nichts davon endgültige Beweise für bevorstehende Wandel im Jahr 2012 bietet, können wir einige Ideen darüber, was unser aktueller Bewusstseins-Sprung beinhaltet und wie weit er gehen könnte, erhalten, in dem wir die Eigenschaften von Graves höheren Stadien untersuchen. Es ist dabei wichtig festzuhalten, dass Graves einige Menschen fand, die schon in den 1950er Jahren zur 7. oder 8. Stufe übergegangen waren und dass er die Gründe dafür verstand.

Stufe 6 – Vorbereitung für den Sprung

Graves bemerkte, dass die Stadien 1-6 alle darauf fokussierten, sich selbst in der Welt zu erhalten und dass sie alle unausweichlich exzessive Verhaltensformen bedingten. Die Herausforderungen, die das Entstehen der 6. Stufen auslösen, kommen aus den Exzessen der Stufe 5, namentlich Materialismus, Überkonsum, Burn-Out durch die Ausrichtung von Zeit und Ressourcen auf die Erreichung individueller Leistungsziele, ein wachsende soziale Lücke zwischen den Besitzenden und Besitzlosen, Dominierung der Machtlosen, Kurzsichtigkeit und zu viel Individualismus, der in einem Gefühl der Einsamkeit und Mangel an Gemeinschaft resultiert.

Aus diesen wahrgenommenen Problemen heraus entsteht Verhalten der Stufe 6, welches versucht, die Dinge wieder in Balance zu bringen. Verhalten der 6. Stufe orientiert sich an der Gemeinschaft und schätzt persönliche Gefühle und soziale Verbindungen. Es glaubt daran, dass alles relativ ist und es viele Wahrheiten gibt, nicht nur eine. Entscheidungen werden im Konsens getroffen, Ressourcen werden geteilt und/oder wiederverwertet. Friede und Harmonie werden hoch geschätzt.

Während der 6. Stufe gibt es neben dem Fokus auf Umwelt, Gemeinschaft und soziale Gerechtigkeit auch einen starken Wunsch, die inneren Abläufe des menschlichen Wesens zu entdecken. Dies führt zu einem großen Maß an Introspektion. Wir werden dazu hingezogen, all unsere vorhergehenden Stadien auf einer inneren Ebene noch einmal zu besuchen und unsere vergangenen Traumata zu heilen, die in unserem Körper und unserer Psyche gespeichert sind. Einer der unglücklichen Nebeneffekte in diesem Prozess ist die erhöhte Tendenz zu Depression und Selbstverletzung.

Ein kurzer Blick auf die Welt im Jahr 2011 zeigt einem Anstieg von Stufe 6-Verhaltensformen, vor allem in den westlichen Ländern. Dies kann man an der Beliebtheit sozialer Medien, wachsender gemeinschaftlicher Sorge um die Biospäre der Erde und ihrer Ressourcen, wachsender Ablehnung von durch Stufe 5 dominierten wirtschaftlichen Systemen und dem Aufkommen sozialer Bewegungen, die aktiv gegen Regierungen, die von einem Denken früherer Stadien aus agieren, protestieren und diese manchmal friedlich aus dem Amt heben, erkennen. Diese Anzeichen legen nahe, dass wir uns schnell in Richtung einer kritischen Masse an Menschen auf Stufe 6 bewegen. Wie viele Menschen eine kritische Masse ausmachen, ist schwer zu sagen, aber mit der Hilfe sozialer Medientechnologie sind es wahrscheinlich weniger als früher üblich.

Stufe 7 – Der Sprung

Graves schrieb, dass die Problemlöse-Fähigkeit oder der „psychologische Raum“ der 7. Stufe größer als die Summe aller vorhergehender zusammen. Dies ist ein tiefgreifender Wandel, der ein multidimensionales Bewusstsein eröffnet wie niemals zuvor. Stufe 7 ist die erste der Ebenen, die Graves die „Wesen“-Ebenen genannt hat, in denen unser Fokus von einer Überlebens-Mentalität zur Frage wandert: Wer bin ich in dieser Welt?

Die Herausforderungen, die das Entstehen der Stufe 7 auslösen, kommen aus den Exzessen der Stufe 6 und den zusammengesetzten Exzessen der Stufen 3,4 und 5. Viele soziale Probleme beginnen sich gegenseitig zu überlappen und multiplizieren so den Grad der Herausforderung. Diese beinhalten den Raubbau an natürlichen Ressourcen, Überbevölkerung, Klimawandel und Konflikte. Während Stufe 6 gute Intentionen hat, sind die meisten Lösungsversuche naiv und weisen die Unfähigkeit auf, komplexe adaptive Systeme zu verstehen. In einigen Fällen machen sie die Dinge sogar noch schlimmer.

Aus diesen wahrgenommenen Problemen entsteht Verhalten der Stufe 7, die durch eine Abwesenheit von Zwang und Angst als motivierender Faktor gekennzeichnet ist. Mit Problemen konfrontiert, die andere überwältigen würden, geht Stufe 7 über den objektiven, rationalen Ansatz hinaus zu losgelöstem, kognitiven Wissen, zu trans-rationaler Intuition. Mit der Loslösung kommt die Fähigkeit, mit den Problemen umzugehen, ohne von ihnen überschwemmt zu werden.

In einem Echo der Überlebens-Motive der 1. Stufe, aber auf einem globalen Niveau, sieht die 7. Stufe einen dringenden Bedarf für die Wiederherstellung unserer Welt, so dass Leben in allen Formen, vor allem jedoch der Menschheit, langfristig gesichert ist. Der Ansatz der 7. Stufe liegt darin, das systemische Ganze zu betrachten und gleichzeitig über verschiedene Dimensionen hinweg zu arbeiten. Er ist hochgradig anpassbar und erlaubt zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, bewusst zwischen verschiedenen Verhaltensformen hin und herzuschalten und diese zu verändern. Wenn ein Problem entsteht, das eine typische Lösung aus Stufe 5 erfordert, dann kann Stufe 7 sich beispielsweise daran anpassen, wie Stufe 5 zu agieren.

Ein kurzer Blick auf die heutige Welt zeigt wachsende Hinweise für Stufe 7-Verhalten, aber wegen seiner Chamäleon-artigen Anpassungsfähigkeit kann es schwer zu entdecken sein. Halten Sie Ausschau nach Menschen, die einen Ansatz frei von Angst verfolgen, die andere Sichtweisen gerne akzeptieren, sich aber selbst sehr klar darüber sind, was getan werden muss; Menschen, die den Kampf gegen archaische Systeme und Regierungen vermeiden und stattdessen minimalen Einsatz für maximale Resultate vorziehen. Menschen, die – um Buckminster Fuller zu paraphrasieren – neue Systeme bauen und damit die alte Systeme obsolet machen. Wenn Stufe 7 die kritische Masse erreicht, wird sich unsere Welt schnell und radikal ändern.

Stufe 8 – Das neo-tribale Wiedererwachen

Stufe 8 war die fortgeschrittenste Stufe, die Graves dokumentiert hat, obwohl nur sechs der 1.065 Versuchspersonen (0,6%) Anzeichen dafür gezeigt haben.

Die Hauptherausforderung, die das Aufkommen der 8. Stufe auslöst, liegt darin, eine neue Lebensweise zu etablieren, die sich in Harmonie mit allen Menschen, anderen Lebensformen und den natürlichen Systemen unseren Planeten befindet. Während Stufe 7 danach trachtete, die verschiedenen Krisen zu lösen, die sich aus den Exzessen der Stufe 1-6 ergaben, wendet sich unser Denken nun der langfristigen Stabilität zu. Wir beginnen, die Erde als ein komplexes Lebenssystem mit seiner eigenen Intelligenz zu sehen und uns selbst als integrale Teile des Ganzen.

Verhalten der Stufe 8 wird in Graves Worten durch „eine fast mystische“ Natur charakterisiert und basiert wesentlich stärker auf Gefühlen und Intuition als in jedem der früheren Stadien. Es begrüßt das Geheimnis des Seins und akzeptiert, dass es Dinge gibt, die niemals gewusst werden können; alles was wir wirklich tun können, ist einfach zu sein.

So wie Stufe 7 Ähnlichkeiten mit dem Überlebensstreben der Stufe 1 aufweist, sah Graves in Stufe 8 eine wesentlich komplexere Version des Stufe 2-Tribalismus. Nun ist der Stamm die Menschheit an sich und unser heiliges Land ist der Planet Erde. Es entsteht der Trend zu einem nicht-eingreifenden, minimalistischen Lebensentwurf, der in Harmonie mit der Natur ist, während er gleichzeitig alle Vorteile unsere Hochtechnologie aufrecht erhält. Auch die Akzeptanz, dass die menschliche Gemeinschaft eine große Bandbreite von Völkern in vielen verschiedenen Stadien der Entwicklung enthält, verbreitet sich. Nachhaltiges Leben bedeutet deshalb, all diese verschiedenen Völker, ihre Kulturen, Weltbilder und ihre Interaktionen mit dem Planeten und seinen Ressourcen anzuerkennen, zu fördern und zu lenken.

Wie Stufe 7 kann Stufe 8 aufgrund ihres minimalistischen Ansatzes und ihrer Chamäleon-artigen Anpassungsfähigkeit schwer zu entdecken sein. Es gibt jedoch wachsende Hinweise für ein neo-tribales Wiedererwachen rund um den Planeten, das ein wachsendes Interesse an Neo-Schamanismus und den Gebrauch entheogenetischer Pflanzen als Verbündete in unserem eigenen Evolutions-Prozess beinhaltet. Halten Sie Ausschau nach Menschen, die die Fähigkeiten und Eigenschaften der Stufe 7 zeigen, dabei aber eher auf intuitives Fühlen als auf Wissen fokussiert sind, die auf Kooperation und Vertrauen bestehen und auf langfristige Nachhaltigkeit auf planetarer Ebene achten.

Unsere vielschichtige Entfaltung

Basierend auf der Forschung von Dr. Graves, legen die Hinweise nahe, dass wir tatsächlich eine Zeit der bedeutsamen und globalen Veränderung erreichen. Im Gegensatz zu einige New-Age-Prophezeiungen werden wir jedoch eher keinen plötzlichen Sprung im Bewusstsein sehen, der jeden zum gleichen Zeitpunkt betrifft. Stattdessen zeigt die Geschichte, dass die menschliche Evolution ein sich entfaltender, oszillierender, spiralförmiger, im Werden begriffener Prozess ist, der im Laufe der Zeit anschwillt und abebbt. Verhalten der Stufe 6, wie man es aktuell überall auf der World aufflammen sehen kann, wurde beispielsweise zum ersten Mal Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Bürgerrechtsbewegungen der USA bemerkt. Es hat vermutlich Einsteins Theorie der Relativität mitinspiriert und spielte eine prominente Rolle in der Gegenkultur der 1960er Jahre. Es hat auch die Gedanken hinter dem World Wide Web und das Aufkommen von Umweltschutz-Bewegungen geprägt.

Stufe 7 ist ebenfalls schon einige Zeit zugange und hat möglicherweise die Geburt der Quantenforschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Wenn jedoch eine kritische Masse an Menschen Stufe 7 erreicht, wird die globale Auswirkung größer als jede andere Veränderung in der menschlichen Geschichte sein. Wir können erwarten, bedeutsame Veränderungen in der Art des Regierens, unserer Sozialsysteme und Technologien zu sehen. Es handelt sich wie beschrieben um eine graduelle Entfaltung, die bereits begonnen hat, aber aktuelle Hinweise deuten darauf hin, dass wir das kulturelle Pendant zu einem rekordverdächtigen Quantensprung in nicht all zu ferner Zukunft sehen werden. Praktiken der veränderten Bewusstseinszustände, wiederentfacht durch die neo-tribalen Wegbereiter der Stufe 8, könnten eine bedeutsame Rolle in der Beschleunigung dieses Prozesses spielen. Beobachten Sie diesen psychologischen Raum!

Autor: Jacque Fresco

Ursprünglich erschienen: http://news-beacon-ireland.info/?p=7577

Übersetzung: Jochen Blumenthal

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